Führen und Folgen

Endlich wieder Ostern! Und das heißt natürlich eine weitere fantastische Ostertagung der Gje, und die Möglichkeit all die Menschen wiederzusehen die man sonst leider viel zu selten trifft. Nach einer etwas turbulenten Anreise dank deutscher Bahn schaffte ich es nach Freckenhorst. Nach Begrüßungen, Bezug des Zimmers und Abendessen ging es direkt weiter mit Kennenlernspielen in der Gartenhalle. Auch der Sport kam nicht zu kurz, das Hausspiel beschäftige Gehirn und Beine indem es uns durch das komplette Haus schickte, während wir Quizfragen beantworteten. Nach der ganzen Turbulenz war es schön sich in der Kellerbar ein wenig auszuruhen, ins Gespräch zu kommen und eine Runde Rummy Cup zu spielen. Am nächsten Tag ging es weiter, nach einem Frühstück, bei dem alle noch erstaunlich wach wirkten, ging es für die Morgenandacht in die Kapelle. An diesem Tag gab es auch die beiden Hauptreferate. Das diesjährige Thema der Ostertagung, „führen und folgen“, erlaubte für eine sehr weitläufige Interpretation, was zu zwei sehr interessanten und unterschiedlichen Vorträgen führte. Für den ersten Vortrag wurden zwei Sprecher der Sekteninfo NRW eingeladen, die uns solche Fragestellungen wie „Was ist eigentlich eine Sekte?  Wie kann ich mich schützen?  Wie entstehen Verschwörungstheorien?“ beantworteten. Wir lernten unter anderem „konfliktträchtige Gruppen“ (das ist der Fachbegriff unter dem sich Sekten, Schneeballsysteme und ähnliches zusammenfassen lassen) an bestimmten Markern zu erkennen, sowie ab wann solche Gruppen problematisch werden. Nach einer Stärkung durch das Mittagessen ging es mit dem zweiten Hauptreferat weiter. Dieses beschäftigte sich mit Gruppendynamik, sowie der Fragestellung wann und wem wir selbst im Alltag folgten sowie inwiefern wir im Alltag eine Führungsposition einnehmen. In Übungen wurden wir dazu eingeladen selbst darüber zu reflektieren wie diese Dynamik aus führen und folgen unser Leben beeinflusst, und wann es positive, wann aber auch negative Einflüsse auf uns hat. Nach so vielen anregenden Denkanstößen und belebtem Diskurs war es angenehm das der Rest des Tages weniger akademisch zuging. Die Gründonnerstagsliturgie durften wir dieses Jahr in der naheliegenden Stiftskirche mit der in Freckenhorst ansässigen Gemeinde feiern. Die Anbetung fand wie gewohnt die ganze Nacht durch in der Kapelle der Volkshochschule statt und war wie immer wunderschön. Wir wechselten uns in kleinen Gruppen von zwei bis vier Leuten ab. Die große Glasfassade der Kapelle erlaubt den Blick nach draußen in den Wald, was zusammen mit den Kerzen in der Kapelle eine wunderschöne Atmosphäre erzeugt. Nach dem Sonnenaufgang trafen nach und nach alle für den gemeinsamen Abschluss der Anbetung ein. Am Karfreitag verbrachten ungefähr die Hälfte der Teilnehmenden den Tag fastend und trafen sich statt der Mahlzeiten zur Fastengruppe, wo wir eine Traumreise mitmachten, sowie das Angebot hatten Briefe zu schreiben, verschiedene kreative Bastelarbeiten auszuführen, oder uns ein wenig auszuruhen. Ansonsten fanden auch die verschiedenen Arbeitskreise statt. Der Arbeitskreis den ich besuchte beschäftigte sich tiefer mit dem Thema führen und folgen im sozialen Bereich. Wir lernten verschiedene Führungsstile kennen, spielten ein paar Spiele bei denen wir selbst herausfanden was die Vor- und Nachteile von verschiedenen Führungsarten sind und diskutierten viel.

Der Kreuzweg fand dieses Jahr aufgrund des Wetters in der Kapelle statt, anschließend trafen wir uns für die Karfreitagsliturgie in der Stiftskirche. Am späten Nachmittag fand die Ermilympiade statt, bei der wir in verschiedenen Spielen gegeneinander antraten. Am Abend gab es für die, die wollten noch eine Dämmerungswanderung, die diesmal sehr abenteuerlich ausfiel. Zum Glück hatten jedoch alle die dabei waren viel Spaß und waren gut zu Fuß, und dank der Schuhputzmaschiene der LVHS waren wir danach in der Lage uns selbst wieder in den vorherigen Zustand zurückzuversetzen. Beim Filmabend schauten wir dieses Jahr „Die Welle“. Das Fastenbrechen der Fastengruppe war ebenfalls wieder sehr schön, für einige vielleicht das Highlight des Tages. Am Karsamstag fand nach dem Frühstück eine Trauermeditation statt, wir setzten das Arbeiten in den Arbeitskreisen fort und hatten am Nachmittag auch die Möglichkeit die Freizeitangebote zu nutzen. Hierzu gehörte wie immer auch ein Tanzkurs, bei dem wir unsere Fähigkeiten im Standardtanz in Vorbereitung auf den Tanzabend üben konnten.

Die Osternachtsliturgie in der Stiftskirche und die Prozession zurück zum Lagerfeuer bei der LVHS waren wie immer ein absoluter Höhepunkt. Auch die Agapefeier war fantastisch. Dementsprechend war es am Ostersonntag schon deutlich schwieriger rechtzeitig zum Frühstück zu erscheinen, doch zur Thematikeinheit danach schafften es trotzdem alle. Nach dem traditionellen Foto bei der Stiftskirche, der ermländischen Vesper und dem Ostersingen im Altenheim hatten wir ein wenig Zeit die Sonne zu genießen, bevor wir uns für den Tanzabend fertig machten. Dieser wurde wie letztes Jahr von Ricarda und Katja moderiert und beinhaltete Auftritte, Spiele und jede Menge Gelegenheit zu tanzen. Nach diesem großen Finale ging es am Ostermontag etwas entspannter zu. Bei dem thematischen Finale tauschten sich die verschiedenen Arbeitskreise über ihre Erkenntnisse aus. Am Nachmittag besuchten uns das Ehepaar Christel und Siegfried Hoppe zum Zeitzeugengespräch und erzählten ausführlich über ihre Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung, ihre Rolle in der Gje und was das Ermland heute noch für sie bedeutet. Nach dem Interview, welches von Katrin Rätz geleitet wurde, teilten wir uns in zwei kleinere Gruppen auf um im persönlichen Gespräch nochmal direkt mir einem der beiden zu reden. Dabei wurden einige extrem spannende Geschichten erzählt, und es war sehr interessant auch nochmal persönlich in den Austausch zu kommen. Deshalb auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank an das Ehepaar Hoppe, sowie an Monika Lethen, dafür dass ihr euch die Zeit genommen habt uns zu besuchen.

Nach einer letzten Messe gab es an dem Tag nur noch den gemütlichen Abend, der mit guten Gesprächen, Musik, Gesang und Kartenspielen gefüllt war. Und dann war auch schon wieder alles vorbei, nach dem Frühstück und dem Reisesegen am nächsten Tag ging es für alle nach Hause. Wie immer war die Ostertagung viel zu kurz, aber seien wir ehrlich: Der Schlafentzug wäre auf Dauer doch anstrengend geworden, und da ich endlich wieder etwas mehr Zeit habe und in den Führungskreis gewählt wurde darf ich mich dieses Jahr ja auch auf eine zusätzliche Tagung freuen.

Leonie

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