Gegensätze einer Überschrift

Der Freitagabend war ein reinstes Tohuwabohu, ein Güterzug musste natürlich genau zur Berlintagung (Thema: Gegensätze einer Großstadt) entgleisen und sorgte somit für deutliche Verspätungen. Dieser und viele weitere Bahnprobleme wollten vor allem Felis dazu bringen, kurzfristig doch nicht zu kommen. Doch das ließ sie sich nicht gefallen und widersetzte sich allen Hürden mit dem Ergebnis, endlich anzukommen, allerdings erst nach zwei Uhr nachts. Fast noch holpriger als die Suche nach neuen Zugverbindungen gestaltete sich das Abendessen, denn selbst die laut Google “beste vegane Pizzeria” konnte mit keinem einzigen veganen Angebot auf der Karte dienen. Die einen navigierten in der DB-App, die anderen, Simon, Jonathan und Tobi, navigierten sich auf der Suche nach Pizzaschmelz durch das World Wide Web, mit dem Jonathan vor allem durch das vielfach thematisierte “Jugend Hackt” Erfahrungen gemacht hat. Navigationsprobleme hatte am Ende wahrscheinlich nur der Lieferservice, denn selbst die Pizza hatte an diesem Abend Verspätung. Die ersten Gegensätze der Stadt Berlin ließen sich somit zwischen Hipster-Klischee und schnöder Realität mit rückschrittlichen Ernährungsgewohnheiten feststellen. Zum Glück klang dieses Problem schnell ab, denn wir Läuche waren ab jetzt selbst für unsere Essensbeschaffung verantwortlich. Die Jugend hackt in der Küche, während Jonathan dasselbe am Computer tut.
Am Samstagmorgen erprobte Simon dann seine frischstudierten Lehrmethoden an uns, durch die wir mehr über die Gegensätze der Städte Tokio, Frankfurt und Marseille erfuhren. Am Nachmittag konnten wir uns dann schließlich selber vor Ort inmitten von Schneesturm und Schal ein Bild von der Gegensätzlichkeit des beschaulichen Berlins machen. Thymian schaffte es auch ohne Jonathans Hilfe, viel Spaß bei der Stadtrallye vorzuprogrammieren. Virtual Reality mal anders: Bei der neuen Form der Real Reality werden Städte auf eine unkonventionelle Art entdeckt. In Kleingruppen sollten wir die Entstehungsorte von Bildern ausfindig machen, gelangten dank U-Bahn und per pedes wie im Flug durch das Netz der Stadt und steppten vorbei am KitKat mit unseren Jungs (Eiskalt). Und wer hätte gedacht, dass uns dabei im Luisengarten der Ermlandelch begegnet? Doch eine Frage blieb bis zum Ende ungeklärt: War es tatsächlich Bodo Wartke, den Rosa im Futurium traf?
Das Schneegestöber ließ uns den ganzen Nachmittag über kalt und selbst das köstliche Abendmahl, bestehend aus Wraps, konnte den Tag noch lange nicht upwrappen. Denn während ganz Deutschland vor der Glotze hing und Gottschalks senilem Gelaber zuhören musste, rätselten wir gebannt beim Pubquiz, mit dem Jonathan den Code zum Entertainment-Event des Tages knackte. Durch sein ehrenamtliches Engagement erfuhren wir beispielsweise, dass der Tag des Ehrenamtes der 5.12. ist.
Bis in die späten Abendstunden sortierten wir schließlich unsere Gedanken über die ereignisvollen Tage und die Puzzleteile der sogar noch thematisch passenden 1000-er Puzzles. Am nächsten Morgen erstmal ein Schock, der sich aber schnell in emsige Ideen abwandelte: Schlecht gegoogelt ist halb gewonnen. Denn dass im Internet die falsche Uhrzeit zum Beginn der Messe am Sonntag angegeben wurde, führte zu einem magischen GJE-Moment: Die Zeit wurde gut genutzt, um uns vor dem Erfrieren zu schützen und der GJE gesanglich alle Ehre zu erweisen. Es war, als wäre der Himmel zu uns herabgekommen, so engelsgleich erklangen unsere Stimmen in den Gewölben der Kirche. Dazu stimmte selbst die Organistin mit ein und begleitete begeistert.
Beinahe mit Tränen in den Augen verabschiedeten wir uns im Rahmen des Liedes “Möge die Straße uns zusammenführen” von dem Selbstversorgerhaus und traten einen letzten Wettkampf im Gemüsehacken an, diesmal im Wettlauf gegen die Abfahrtszeit der Züge.

Marta Lethen und Tobias Heine

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