Sommerjugendbegegnung im Ermland 2022

Du wolltest schon immer einen unvergesslichen Sommer haben? Eine Reise nach Polen machen und dabei etwas über die Geschichte des Ermlands erfahren? Neue Leute kennen lernen? Deutsch-Polnische Freundschaften schließen? Und viel erleben? Das alles geht bei der Sommerjugendbegegnung und ist wirklich eine absolute Empfehlung wert!

Mit Olivia und Utop in der Leitung konnten wir 10 Tage lang von zwei verschiedenen Unterkünften aus das wunderschöne Ermland erleben.

 Und wie bei jeder GJE-Tagung: die Mischung macht’s. Durch eine vielfältige Mischung aus Thematik, Liturgie, tollen Ausflügen und Freizeit wurde es nie langweilig. Zeit zum Schlafen gab es nicht allzu viel, dafür eigneten sich dann die Busfahrten besonders gut.

Unsere erste Unterkunft in Łajs lag mitten im Wald an einem See. Wie abgelegen wir waren wurde vor allem durch die Fahrt dorthin klar: für die letzten Kilometer brauchte der Bus eine gute halbe Stunde über unebene Sandwege. Vor Ort gab es gute Verpflegung und einen Gemeinschaftsraum, in dem wir viele Stunden zusammen verbracht haben. Durch verschiedene Kennenlern- und Sprachspiele konnte sich die Gruppe besser kennen lernen und hat sich schnell durchmischt.

Die Tage waren gut durchgeplant und mit verschiedenen thematischen Elementen abwechslungsreich gestaltet. Wir haben uns mit Gemeinschaft und der deutsch-polnischen Freundschaft beschäftigt und was das für uns bedeutet. Manchmal war auch geschichtliches Wissen gefragt oder wir mussten unser Allgemeinwissen in einem Quiz auf die Probe stellen. Viel Spaß haben auch die Sportspiele oder die Ermilympiade gemacht. Das ist eine Art Teamspiel, in dem wir in verschiedensten Disziplinen gegeneinander angetreten sind.

In den Pausen zwischendurch oder in der freien Zeit war eine gute Gelegenheit, um sportliche Aktivitäten wie Tischtennis, Schweinchen-in-der Mitte oder Frisbee auszuüben. Außerdem gab es Kajaks, mit denen kleine Seetouren gemacht werden konnten. Dabei konnte es auch schon mal passieren, hinterher völlig durchnässt zu sein…Wasserschlacht!!

Die Abende konnten wir meist selbst gestalten. Ein Lagerfeuerabend und gemeinsames Singen mit Gitarre sind dabei natürlich ein Muss. Anschließend haben sich gemütliche Gesprächskreise im Aufenthaltsraum gebildet. Den Jüngeren war das noch nicht genug…ein Highlight jedes Abends war die Nachtwanderung, von der wir zum Glück immer irgendwie zurückgefunden haben ohne uns zu verlaufen. Auch die Sterne ließen sich durch die Dunkelheit der Umgebung optimal anschauen und mit etwas Glück ließen sich Sternschnuppen sehen. Der einzige Nachteil an der Lage am See waren die vielen Mücken, die sich gerne an unserem Blut bedienten und zu vielen Stichen geführt haben.

An einem Abend haben uns ehemalige Ermis aus der Allensteiner Gruppe besucht. Sie haben uns von den Anfängen der Deutsch-Polnischen Jugendbegegnungen erzählt und alte Fotos gezeigt. Als dann die Gitarren und Liederbücher ausgepackt wurden und mit voller Energie die alten polnischen Ermiklassiker gesungen wurden, konnte man sich wirklich vorstellen, wie es damals war. Das war auch eins meiner persönlichen Highlights. Anschließend haben Kerstin und Joanna uns noch mit viel Freude bei der Sache den ermländischen Tanz beigebracht.

Im Gegensatz zu der Abgelegenheit unserer ersten Unterkunft befand sich die zweite mitten im Zentrum Allensteins. Die Altstadt war innerhalb von 10 Minuten zu Fuß zu erreichen und das Einkaufszentrum lag quasi vor der Tür.

Ein bisschen schade war allerdings, dass wir dort keinen richtigen Aufenthaltsraum hatten und schon um 23:00 Uhr wieder in der Unterkunft sein mussten. Das Restaurant, in dem es unser Essen gab, lag immerhin eine Viertelstunde entfernt, das Essen musste sich also erst erarbeitet werden. Dafür war das auch die perfekte Gelegenheit, um schon mal richtig wach zu werden.

Dank des sonnigen Wetters fand sich auch schnell eine Ersatzlösung für den Aufenthaltsraum: die Morgenandachten sowie Reflektionen und Tagesbesprechungen wurden in den nahegelegenen Park verlegt. Den Rest unserer Freizeit verbrachten wir eigentlich überwiegend in der Stadt und haben uns dabei so richtig eingelebt.

Die Abende ließen sich wieder frei gestalten, was unsere Gruppe nutzte, um die Nachtwanderungen fortzuführen, die Schule von Emi und Julia zu besuchen und alle Spielplätze zu erkunden. Natürlich durften auch verrückte Sachen, wie Fotos mit Mülleimern, nicht ausbleiben. Als Gruppe war es zum Glück auch kein Problem, erst nach 23 Uhr wieder zurück zu sein und wir mussten nicht vor verschlossener Tür stehen bleiben.

Neben dem Programm vor Ort haben wir verschiedene Ausflüge unternommen. Ein Tagesausflug ging nach Frauenburg. Dort haben wir zuerst im Pfarrhaus unsere Lunchpakete gegessen und anschließend eine Führung durch den alten Bischofspalast und den Dom bekommen. Der Stadtführer Tadeusz war gut gelaunt und hatte immer eine Geschichte auf Lager, zum Beispiel wie er selbst an der Suche nach den Gebeinen von Kopernikus beteiligt war. Wer mal in Frauenburg ist, sollte sich auf keinen Fall die fantastische Aussicht vom Kopernikusturm aus über das Ermland und das Frische Haff entgehen lassen.

An einem anderen Tag fuhren wir zur Wallfahrtsstätte in Dietrichswalde. Ein Pfarrer hat uns dort das Gelände gezeigt und mit uns eine Messe gehalten, in der wir Olivia und Gabriel gesegnet haben, die sich einige Tage vor der Jugendbegegnung verlobt hatten. An dieser Stelle nochmal Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die beiden!

Auch ein Besuch des Freilichtmuseums in Hohenstein durfte nicht fehlen. Uns wurde in einem Workshop gezeigt, wie die Häuser ab- und im Museum wieder aufgebaut werden und wir durften eine Mühle von innen besichtigen. Anschließend war noch genügend Zeit, um sich auf dem Gelände umzuschauen oder die Zeit für ein kleines Mittagsschläfchen auf einer Bank zu nutzen, wenn die Nächte doch mal zu lang geworden waren.

In Allenstein hat uns eine Stadtführerin rumgeführt und die wichtigsten Orte, auch mit deutsch-polnischer Geschichte gezeigt. Für diejenigen, die in Allenstein wohnen, war es sicherlich komisch, in der eigenen Stadt Urlaub zu machen und dann auch noch eine Stadtführung zu bekommen. Doch davon ließ sich keiner was anmerken, abgesehen von der Erschöpfung, die durch die Hitze begünstigt wurde.

Etwas ganz Neues war hingegen für viele die gemeinsame Kanutour auf der Alle. An einem wieder mal superwarmen Tag kam die Erfrischung des kühlen Wassers, was durch das Paddeln in das Boot floss, genau richtig. Auch der Weg war super, immer am Flussstrom entlang durch den Stadtwald, dessen Bäume den nötigen Schatten spendeten. So haben alle gut bis zum Ende durchgehalten und waren sogar noch fit genug, um auf einer Insel aus unseren Kajaks zu dem Aloa-heja-Lied zu Rudern.

Alles in allem verging die Zeit so schnell, dass wir gefühlt kurz nach unserer Anreise auch schon wieder zurückgefahren sind und es schwer war, sich am Ende verabschieden zu müssen. Verabschieden vom Ermland mit seinen tollen Landschaften, seinen großen Seen, seinem einmaligen Blick auf den Sternenhimmel und seinen schönen Städten. Und Verabschieden von seinen Freunden, mit denen man viel Zeit verbracht und sich richtig kennengelernt hat. Doch all die schönen Erinnerungen und Fotos bleiben.

Marta Lethen

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