
Das diesjährige Ostern und die Zeit darum konnten wir jungen Ermis wieder gemeinsam in Freckenhorst verbringen. Letztes Jahr war mein erstes Jahr Ostern dort und ich durfte schon zahlreiche neue Leute kennenlernen. So kannte ich also schon die ungefähren Abläufe des Treffens und das Haus war mir auch schon etwas vertraut.
Zur Anreise von allen herzlich begrüßt zu werden und anschließend gemeinsam zu essen und sich direkt in Gespräche zu vertiefen war wieder großartig. Dieses Jahr fehlten leider einige der Gesichter, die ich erst kürzlich kennengelernt habe, aber die meisten durfte ich wiedersehen. Schon der erste Abend in der Kellerbar hat mir wieder gezeigt, was die GJE für eine herzliche und offene Gruppe ist. Man fühlt sich, auch wenn man noch neu dabei ist, direkt integriert, als hätte man sich jeden Tag zuvor gesehen.
Letztes Jahr habe ich eher Abstand von dem Gedanken genommen, in die Fastengruppe zu gehen, doch dieses Jahr sollte es anders sein. Wir haben uns morgens, mittags und abends zu den Mahlzeiten im Turmzimmer getroffen, es uns auf Decken und Kissen gemütlich gemacht und Zeit miteinander verbracht. Die drei Mahlzeiten bestanden wahlweise aus Gemüsebrühe, Gemüse- und Fruchtsäften und Tees verschiedener Sorten. Für den restlichen Tag nahm man sich Wasser und gegebenenfalls ein Stück Traubenzucker mit. Begleitet waren die Mahlzeiten mit entspannender Musik und einer meditativen Einheit. Zum Fasten brechen trafen wir uns ein letztes Mal im Turmzimmer und aßen Brot mit Aufstrichen, Gemüse und andere leckere Dinge.
Dieses Jahr befassten wir uns mit dem Thema ,,Führen und Folgen“. Wir haben uns zum Beispiel damit befasst, wann man eine Vorbildfunktion hat, wie sehr man die Kontrolle darüber hat und wie man sich unterbewusst beeinflussen lässt. Für das erste Hauptreferat wurden die Referentin und der Referent dieses Jahr via Videokonferenz zu uns in die Gartenhalle geschaltet. Sie erzählten uns von ihrem Job bei der Sekteninfo NRW, indem sie beispielsweise Personen bei dem Austritt aus verschiedenen Gruppen begleiten oder bei Folgen eines solchen Austrittes helfen. Das zweite Referat behandelte die gedankliche Kontrolle über Entscheidungen und wie man sich führen lässt, sich aktiv gegen das Führen lassen entscheidet und worin man sich erfüllt fühlt. Insgesamt haben die Referate und Arbeitskreise interessante Sichtweisen dargestellt und mir wertvolle Denkanstöße gegeben. Auch wenn es nicht leicht ist mit fehlenden Schlafstunden immer perfekt zuzuhören ☺
In meinem Arbeitskreis haben wir uns zuerst mit Dissidenten- und Widerstandgruppen oder Personen befasst. Nachher ging es um Macht in der Marktwirtschaft. Dazu haben wir ein Planspiel gespielt, bei dem wir in vier Gruppen eingeteilt wurden und als Länder unsere Rohstoffe und Werkzeuge miteinander handeln mussten, um Ware herstellen zu können. Generell hat mir die Thematik sehr gefallen und es hat, denke ich mal, den meisten Spaß gemacht sich in Gruppen oder zu zweit auszutauschen und zu diskutieren.
Das ZeitzeugInnengespräch, welches eine großartige Möglichkeit ist, waschechten Ermis Fragen zur Flucht und ihrer Kindheit zu stellen, war dieses Jahr erneut Teil des Programms. Dafür kamen Siegfried und Christel Hoppe von Uder aus nach Freckenhorst gefahren. Sie erzählten von ihrer Flucht aus dem Ermland und wie sie groß geworden sind.
Während der Freizeit hatte man die Wahl im Haus zu bleiben, sich draußen zu bewegen oder einfach zu chillen. Ich war gerne draußen und habe mit anderen Frisbee, Volleyball oder Fußball gespielt. Auch war es immer schön, wenn noch kurz vor dem Essen oder danach weitere dazugestoßen sind und mitgespielt haben.
Agape bot wieder die Möglichkeit sich gemeinsam an einen Tisch zu setzten und Gespräche zu eröffnen. Schön ist auch, dass wenn der Abend älter wird, man sich einfach zu einem anderen Tisch setzten kann und Teil an einer neuen Konversation haben kann. Das warme Kerzenlicht und die sorgfältig dekorierten Tische bieten eine perfekte, angenehme Atmosphäre und lassen die Zeit unbemerkt verstreichen.
Insgesamt hat Ostern in Freckenhorst dieses Jahr wieder sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe noch zu zahlreichen GJE-Tagungen, wie der baldigen Pfingstagung und Ostertagungen der nächsten Jahre, gehen zu können. Ich freue mich, dass mir bei meiner ersten Gelegenheit in den FK gewählt zu werden, genau das passiert ist und bin schon gespannt auf die Silvestertagung. Es ist immer ein komisches Gefühl nach fast einer Woche gemeinsam Zeit verbringen allein im Zug zu sitzen, doch kann man sich zum Glück schon auf die nächsten Tagungen freuen, die dann gar nicht mehr so lange hin sind.
Justus
