Bis in alle Ewigkeit

An Ostern bin ich bis in alle Ewigkeit verplant. Davon war ich überzeugt, zumindest bis Mitte März 2020. Nach einer Telefonkonferenz am 14. März mit Mitgliedern des Ermländerrates, dem Oster-Vorbereitungsteam der Ermlandfamilie sowie Simon und mir als Bundessprechern, musste ich enttäuscht und traurig einsehen, dass es in diesem Jahr keine Ostertagung geben würde.

Ab diesem Moment skypten wir sonntäglich mindestens zwei Stunden lang mit dem Vorstand, um ein Ersatz-Ostern zu planen. Unsere anfängliche Idee, Kleingruppentreffen zu organisieren, löste sich leider nach und nach in Luft auf. Stimmungsmäßig war ich tagtäglich hin- und hergerissen. Sollten wir Ostern ein virtuelles Programm anbieten oder uns doch lieber in unseren Betten verkriechen?

Letztendlich wählten wir eine Mischung zwischen Liveprogrammpunkten über Video- und Audiochats bei „Discord“ (einem Zockerprogramm, das ich bis dato nicht kannte) und Materialsammlungen, die wir für jeden Tag anboten. Mit viel Engagement und Einsatz (an dieser Stelle einmal ein großes Dankeschön an den Vorstand und FK sowie weitere GJE-ler, die uns tatkräftig mit Ideen, Anregungen und der Übernahme von einzelnen Aufgaben unterstützten!) konnten wir ein abgespecktes virtuelles Osterprogramm entwerfen. Anders als normalerweise hielten wir während der Vorbereitungen regelmäßig Kontakt mit den Ermis, die Ostern normalerweise in Uder verbringen, denn auch sie planten ein virtuelles Angebot.

Die Kar- und Ostertage verbrachte ich schließlich allein in Fulda. Am Karfreitag verließ mich auch noch meine Mitbewohnerin…

Ich bekam öfter die Frage gestellt, warum ich nicht zu meine Familie nach Bad Berka fahre, aber da blieb ich meinen Prinzipien treu: Ich feiere Ostern erst wieder mit meinen Eltern an einem Ort, wenn ich eigene Kinder habe oder 35 Jahre alt bin.

In den letzten Tagen vor der virtuellen Ostertagung bekam ich unerwartet Energie, da mir bewusst wurde, dass ich diese virtuelle Tagung in erster Linie nicht für mich, sondern für andere GJE-ler gut gestalten musste. So arbeitete ich am Palmsonntagswochenende und zu Beginn der Karwoche noch stundenlang am Programm.

Was ich nicht ahnte: Im Geheimen waren längst Ermis damit beschäftigt, auch mir ein schönes Ostern zu ermöglich. Um bei mir Osterfreude hervorzurufen, schlossen sich einige Tage (vielleicht auch Wochen) vor Ostern Rosa, Katrin & Gang und meine Mama zusammen und überlegten sich einige süße und rührende Überraschungen für mich. Rosa hatte eine Morgenandacht zum Start in die Karwoche aufgenommen, Anne mir einen Tee zu ihrem Brief gelegt, damit ich das Fasten am Karfreitag besser überstehe, Simon Lieder aus dem Lobet eingesungen, Katja mir ein Rezept für ein Agape-Baguette geschickt (selbstverständlich war die wichtigste Zutat: Liebe), Katrin mir ein Gedicht, Konfetti und gebastelte Origami-Hasen für die Gesellschaft übersandt, Ricarda reichlich Briefchen in meine Kaffeefilterpost getan, und Mama mir keine Osterpost geschickt, sondern einen Gruß vom Nikolaus, da ich explizit keine Osterpost gewünscht hatte. So bekam ich fast für jeden Tag der Tagung einen Brief. Danke dafür! Ich bin froh, Euch meine Familie nennen zu dürfen!

Persönlich bin ich im Nachhinein auch mit der virtuellen Ostertagung der GJE zufrieden. 2020 habe ich mir so zwar nie gewünscht, es wird mir dafür aber umso länger im Gedächtnis bleiben. Dank der Teilnehmer der virtuellen Tagung zum Glück auch positiv!

2020 – war das Jahr, in dem wir zur 65. Ostertagung in Freckenhorst eine virtuelle LVHS mit Kapelle, Gartenhalle, Kellerbar und Wichtelhöhle erstellten.

2020 – das Jahr, in dem alle Ermis zu Hause waren und dennoch nicht in ihren Heimatgemeinden zur Kirche gehen konnten.

2020 – das Jahr, in dem wir Ermis noch mehr merkten, wie sehr wir uns alle lieben und vermissen.

2020 – das Jahr, in dem ich zum ersten Mal eigene Bettwäsche nach „Freckenhorst“ mitnehmen musste.

2020 – das Jahr, in dem ich am Grünmittwoch Ostereier in meinem Zimmer versteckte, damit ich am Ostersonntag nicht mehr wusste, wo ich sie hingetan hatte.

2020 – das Jahr, in dem wir Osterwichtelgeschenke per Post verschickten.

2020 – das Jahr ohne morcheln. ☹ (morcheln = erml. heftiges Knuddeln)

2020 – das Jahr, in dem ich zum ersten Mal für den Einkaufsdienst verantwortlich war.

2020 – das Jahr, in dem ich jeden Abend mindestens bis 3 Uhr nachts in der virtuellen Kellerbar verbrachte. Da blieb also alles beim Alten!

2020 – das Jahr, in dem ich Ostern so viel schlief wie noch nie.

2020 – das Jahr, in dem junge, alte und ältere Ermländer gemeinsam feierten.

2020 – das Jahr, in dem ich mir meine Füße selbst in der Dusche wusch.

2020 – das Jahr, in dem wir die Osternacht im Kölner Dom feierten.

2020 – das Jahr, in dem ich mir selbst an Agape das Brot vor dem Spiegel brach und ich lediglich 1 Flasche Weißwein trank.

2020 – das Jahr, in dem es mir am Ostersonntag körperlich nicht viel besser ging als sonst.

2020 – das Jahr, in dem gefühlt mehr Lorbasse als Marjellchen teilnahmen.

2020 – das Jahr, in dem ein gewisser C. sich mysteriöserweise in der Kapelle aufhielt.

2020 – das Jahr, in dem wir alle gemeinsam „Aloha heja he“ als Bundessprechertanz tanzten.

2020 – das Jahr, in dem ich nach der Dankesrunde am Ostermontag alle Süßigkeiten selbst aufaß.

2020 – das Jahr, in dem jeder sein eigenes Zimmer zu Hause am Osterdienstag aufräumte.

2020 – das Jahr, das wir hoffentlich nur einmal erleben müssen.

Ich weiß, dass nicht jeder etwas für sich von der virtuellen Tagung mitnehmen konnte und einige unserer Vorsätze hinten runtergefallen sind (u. a. unsere deutsch-polnische Ausrichtung und die gute Integration neuer, junger Teilnehmer). Auch für mich bleibt die virtuelle Tagung ein schwacher Trost.

Eines trug und trägt mich jedoch durch meine Tiefs: Die Gewissheit, dass die Osterbotschaft, Gott sei Dank, auch auf Abstand die gleiche bleibt: Jesus lebt, mit ihm auch ich – und ihr – wir alle! Und ich meine es weiterhin wortwörtlich so: Ich bin Ostern bis in alle Ewigkeit verplant!

Für nächstes Jahr Ostern stelle ich mich schon jetzt darauf ein, meinen Schlaf auf das absolut nötigste Minimum zu reduzieren, um die Zeit mit Euch noch intensiver als sonst zu nutzen und ausgelassener denn je Jesu Auferstehung zu feiern!

Bis dahin freue ich mich auf sowohl verrückte als auch tiefgründige Gespräche am Telefon und bei Discord.

Olivia Block

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
älteste
neueste meiste Bewertungen
Nach oben scrollen