Schreibtisch statt Altar – Liturgie neu erlebt 

Liturgie ist mehr als ein Messablauf. Das durfte ich in den letzten Jahren bei der GJE lernen. Zwar erinnere ich mich gut an die Messbesuche meiner Kindheit, auch verlor der christliche Glaube für mich nie seine Wichtigkeit, aber ein tieferes Verständnis für viele liturgische Handlungen habe ich unter anderem erst durch die wiederholte Ausübung und Erklärung dieser bei der GJE erlangt. Bei den ersten Tagungen fragte ich mich das eine oder andere Mal, welche Bedeutung die liturgischen Programmpunkte und das Glaubensleben im Alltag für die anderen Teilnehmer haben. Inzwischen aber kenne ich den Aufschrei, der durch Hardehausen gellt, wenn die Messdiener noch vor der Messe zurückkehren und verkünden, es sei kein Priester da. Dieses Geschehen zur Jahreswende 2019/2020 ließ mich aufhorchen. Auch ich bedauerte, dass der Gottesdienst in abgespeckter Weise ohne Priester stattfinden musste, aber erfreut war ich, daran erkennen zu können, dass auch Teilnehmer Wert auf die Messe legten, von denen ich das nie erwartet hätte.

Ähnlich war es bei der diesjährigen virtuellen Ostertagung: Obwohl die wenigsten wussten, was uns erwarten würde, wurde die Tagung insgesamt gut angenommen, und auch bei den liturgischen Programmpunkten herrschte rege Teilnahme. Statt in Freckenhorst trafen wir uns in virtuellen Räumen auf Discord; das bedeutete für mich: am Schreibtisch. Für mich persönlich war Ostern dieses Jahr ein besonderes Fest, da es mich umso mehr zum Nachdenken anregte, was schon in der Fastenzeit begann. Diesmal ging ich besonders der Bedeutung und der Entwicklung der Traditionen rund um das Osterfest nach. Auf diese Weise entdeckte ich neu den Segen der Gewissheit, dass durch das Kirchenjahr bestimmten Glaubensinhalten und -handlungen feste Zeiten zugeordnet sind.

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: […] eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz.“ So lehrt uns der Prediger Salomo. Wie oft vergessen wir im Alltag die Buße, zu der wir aufgerufen werden! Wie oft die österliche Freude über unseren siegreichen Herrn! Wie gut, dass wir durch die jährlichen Feste an diese und andere Kernelemente unseres Glaubens erinnert werden! Wie gut, dass wir uns durch die Gemeinschaft immer wieder gegenseitig darin bestärken!

Durch Gespräche mit anderen GJE-lern weiß ich, dass sie genau diese Erinnerung und Bestärkung immer wieder in der gemeinsamen Liturgie erleben. Sie belebt nicht nur das individuelle Glaubensleben, sondern wirkt auch Gemeinschaft stiftend. Dieses Jahr sah unser aller Gemeinschaft zu Ostern anders aus als gewohnt. Dennoch durften viele von uns sie auf kreative Weise erleben. Im Bewusstsein, miteinander zu feiern, selbst wenn wir einander momentan nicht räumlich nahe sein können, stellte für mich die diesjährige Liturgie als Ausdruck des gemeinsamen Glaubens an Christus ein besonders verbindendes Element dar. Mögen wir diese Verbundenheit im Glauben auch weiterhin erleben!

Lisa Schroeter

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