GJE-Generationen – ein Interview

geführt von Rosa Maria Lange

mit Ricarda Heine (24), Thomas Rätz (54) und Renate Perk (78)

Seit wann bist/warst du aktiv in der GJE?

Ricarda: seit 2013

Thomas: Pfingsttreffen 1986 bis Ostertreffen 1992

Renate: Ich war bei der GJE aktiv etwa von 1965 bis 1970, relativ spät, bereits im Studium, da ich die GJE bis dahin nicht kannte, auch nicht darauf hingewiesen worden war und in meinem Heimatort außerhalb der Schule aktiv in der Jugendarbeit (Heliand) tätig war. Als ich zum ersten Mal in Freckenhorst den jungen Ermländern begegnete, hatte ich das Gefühl, ein neues Stück meines Lebens kennenzulernen, das mir bis dahin gefehlt hatte und nach dem ich mich gesehnt hatte, ohne es zu wissen.

Was ist/war deine Lieblingstagung der GJE?

Ricarda: Für mich ist das die Ostertagung. Zweimal in meinem Leben habe ich Ostern ohne die Ermis gefeiert – und was soll ich sagen? Es hat sich einfach nicht wie Ostern angefühlt. Ich freue mich schon riesig darauf, die Ostertage nächstes Jahr wieder in Freckenhorst zu verbringen. Meine Lieblingsregionaltagung ist die Marienburgtagung an der Mosel. Dort ist für mich immer die entspannteste Stimmung mit tollem Ausblick und das Wochenende fühlt sich wie ein richtiger Kurzurlaub an.

Thomas: Ostern und St. Ulrich

Renate: Meine Lieblingstagung war die Ostertagung in Freckenhorst, ich habe aber auch nicht viel Zeit gehabt, während der Ausbildung im Laufe des Jahres an anderen Tagungen teilzunehmen.

Was war dein zweitschönstes Erlebnis bei der GJE?

Ricarda: Ob es das schönste, zweit- oder drittschönste Erlebnis war, ist schwer zu sagen. Ein Moment, der mir auf jeden Fall sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, ist meine erste Ankunft an der LVHS in Freckenhorst im Jahr 2013. Ich fand es wunderschön, so viele alte Gesichter wiederzusehen und natürlich auch eine ganze Menge neuer Ermis kennenzulernen. Da ist mir mal wieder aufgefallen, dass man im Leben wirklich nie allein ist, wenn man Ermis kennt.

Thomas: Sonnenaufgang auf dem Schauinsland (St Ulrich), teils nach durchgemachter Nacht

Renate: Wenn das schönste Erlebnis Ostern in Freckenhorst war, war das zweitschönste sicherlich, dass ich dort meinen späteren Ehemann kennengelernt habe. Wir haben nach der GJE-Zeit als Familie an Ostertreffen in Helle teilgenommen und gehörten mit zu den ersten Teilnehmern des Leutesdorfer Kreises.

Wie bist du zur GJE gekommen?

Ricarda: Durch die Familie. Direkt nach Helle, Schloss Gehrden und Uder ging es also in einem Rutsch weiter …

Thomas: Auf Einladung von Antonie Schroeter, verh. Lange, hin. Wir waren zusammen auf der Schule und gut befreundet.

Renate: Durch meine Tante. Ich wohnte während des Studiums in Münster die Woche über bei ihr. Sie half dem damaligen Jugendpfarrer Kurt Schlegel bei der Abrechnung der GJE-Tagungen. Bei einem Besuch lud er mich zur Ostertagung nach Freckenhorst ein, seitdem bin ich dabei.

Welche Veränderungen gab es zu deiner GJE-Zeit?

Ricarda: Die größte Veränderung ist wohl, dass die Führungskreistagung ab diesem Jahr nicht mehr in Hardehausen stattfinden wird. Eine neuere Tradition, die mir sehr gut gefällt, ist, dass am Ostermontag jährlich Zeitzeugen nach Freckenhorst kommen und von ihrem Lebensweg berichten.

Thomas: Das war zunächst eine sehr stabile Zeit. Dann kam der Fall der Mauer: Zusätzliche Treffen in den neuen Bundesländern; freies Reisen ins Ermland. Der Aufbau der Allensteiner GJE-Gruppe war dann schon nach meiner Zeit.

Renate: Was es heute sicher nicht mehr gibt, dass zur Mittagszeit Essensmmärkchen gezogen wurden, die informierten, wo man zum Essen hingehen musste, entweder in den Speisesaal der Landvolkshochschule oder ins Kloster der „Katharinchen“. Das Essen bei den Katharinchen war sehr begehrt. Ich erinnere mich, dass der traditionelle Tanzabend am Ostersonntag von Freckenhorst nach Münster-Handorf verlegt wurde, weil der Saal größer war. Auch der Gartensaal entstand neu, wie ich mich erinnere.

Was sind für dich die 5 wichtigsten Werte der GJE?

Ricarda: Für mich sind die wichtigsten Werte, die die GJE vermittelt, 1) Aufgeschlossenheit, 2) Humor, 3) Glaube, 4) Kreativität und 5) Tradition.

Thomas: 1) Echte Gemeinschaft leben in Nächstenliebe und Solidarität, 2) Katholisch sein in großem Gottvertrauen, 3) Tradition sowie die Geschichte zu achten und zu respektieren, 4) Zukunft in Frieden mitgestalten, 5) Lebensfreude

Renate: 1) Das Glaubensleben mit der Feier der Liturgie, 2) die Pflege der heimatlichen Bräuche, 3) das Erlebnis der Gemeinschaft mit jungen Menschen, die genau so denken wie ich und bei denen ich mich geborgen fühle. 4) Die Beschäftigung mit Themen aus der Religion, der Geschichte, der Politik und 5) die Pflege der Geselligkeit.

Welcher Schwerpunkt ist/war für dich am wichtigsten und warum? (Thematik/Liturgie/Freizeit)

Ricarda: Ich muss zugeben, die Freizeit mag ich wirklich sehr und genieße vor allem die Abende in geselliger Runde. Ohne die Übermüdung durch die Thematik wären diese allerdings auch nur halb so lustig und manche Gespräche ohne die Liturgie wahrscheinlich auch nur halb so tiefgründig. Also: Die Mischung macht‘s!

Thomas: Das ist für mich klar das Gemeinschaftserlebnis, sei es in der Liturgie (= gemeinsam Gott loben und preisen), sei es bei der Thematik (= sich gemeinsam damit auseinandersetzen), sei es beim Feiern oder Essen oder wo auch immer.

Renate: Als Schwerpunkt war für mich die Feier der Liturgie wichtig, und die Pflege der Geselligkeit (Gesang, Musizieren, weil mir da schon vieles durch die Jugendarbeit im „Heliand“ vertraut war und ich mich einbringen konnte. Themen der West-Ost-Frage interessierten mich sehr, weil ich durch Reisen nach Berlin die Teilung Deutschlands vor Ort erlebte, was mich sehr beschäftigte.

Hast du eine Lieblingstradition bei der GJE?

Ricarda: Eine meiner liebsten Traditionen ist eine kräftige Ermi-Rakete oder auch ein herzliches „Uuuuuuuuuund Tschüss“, das ich euch hiermit zusende.

Thomas: Das ist die Agapefeier nach der Osternacht. Diese Feier hat bis heute jedes Mal einen – wie man so schön sagt – „Zauber“ in sich.

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